BiKoBlog: Unter Studentinnen, Professoren und Studipolitikern

Braucht es weiterhin Diskussionen über die Verteilung der Macht zwischen Frauen und Männern an der Uni? Müssen wir uns auch 2015 mit der ganzen Geschlechterthematik auseinandersetzen? Ein Blick auf die aktuellen Verhältnisse zeigt: Ja, das ist notwendig! Dabei würden uns ein paar neue Perspektiven gut tun. Eine Carte Blanche für Fabienne Jacomet.

Im Frühlingssemester 2015 scheint an der Uni alles beim Alten: Ich bin von Mitstudentinnen umgeben, Mitstudenten sind rar – kein Wunder, ich studiere Geisteswissenschaften. Frauen stellen heute in der Schweiz über 50% der Studierenden, in Literatur- und Sprachwissenschaften sind es gar fast 80%.1 Meine Profs hingegen sind mehrheitlich männlich, genauso wie die Delegierten und Vertretungen in der Universitätsleitung – auch nicht weiter verwunderlich, Männer streben eben eher nach Karriere und ausserdem dauert’s halt eine Weile, bis Frauen in die oberen Etagen nachrücken. Auch im VSUZH-Rat ist (noch) alles beim Alten: Drei von vier Ratsmitgliedern sind Männer und im sechsköpfigen Vorstand sitzt eine einzige Frau. Ist auch okay, wenn sich Männer halt mehr für Politik interessieren, und Frauen müssen ja nicht überall partizipieren – oder?

Warum interessiere ich mich überhaupt für diese Geschlechterverhältnisse? Und warum komme ich immer wieder darauf zurück, Frauen und Männer zu zählen, wo ich doch eigentlich in einer Gesellschaft leben möchte, in der das Geschlecht keine Rolle mehr spielt? Um es kurz zu machen: Es gibt Dinge, die mich stören – und diese möchte ich gemeinsam mit anderen verändern.

Der undichte Weg nach oben

Beginnen wir oben in der akademischen Karriereleiter: An Schweizer Unis werden im Schnitt erst 18% der Professuren von Frauen besetzt.1 Wer jetzt denkt, dass es eben noch nicht so lange Frauen an Unis gibt, hat Recht. Schliesslich waren die Hochschulen bis mindestens Mitte des 19. Jahrhunderts eine Männerhochburg.2 Doch statistisch gesehen sollten schon längst mehr Frauen auf die gut bezahlten Stellen im angesehenen oberen Bereich nachgerückt sein. Das sind sie aber nicht. Seit Jahren ist zu beobachten, dass der Frauenanteil ab dem Doktorat mit jeder akademischen Stufe sinkt – leaky pipeline wird dieses Phänomen genannt und es gibt bereits verschiedenste Massnahmen wie Mentoring-Angebote, um die exzellenten Wissenschaftlerinnen in der Akademie zu behalten, statt raustropfen zu lassen.3 Die Umsetzung dieser Massnahmen bringt schon einiges, doch von überschwänglichem Erfolg können wir nicht sprechen. Dies lässt vermuten, dass noch mehr hinter dem Leck in der Pipeline steckt.

Studium, Karriere, Familie – Vereinbarkeit für alle?

Vielleicht wollen die Frauen einfach keine Karriere machen, weil sie sich doch lieber um ihre Familie kümmern – eine legitime Wahl. Und in Zeiten, wo Männer im Schnitt 18,9% mehr verdienen als Frauen (siehe Equal Pay Day) und Kinderkrippenplätze rar und teuer sind, ist dies auch ökonomisch nachvollziehbar. Wie wär’s damit: Papa zuhause und Mama bei der Arbeit? Für viele meiner Generation gut vorstellbar. Die Umsetzung ist aber gerade auch für Männer mit grossen Hürden verbunden – nicht nur aus den genannten ökonomischen Gründen. Oder habt ihr schon mal von betroffenen Familien gehört, es sei einfach, ein Teilzeitpensum für den Mann zu kriegen, einen längeren Vaterschaftsurlaub einzufordern und mit Familienpflichten Karriere zu machen?4

Stereotype und ihre lange Wirkung

Bei all diesen Fragen spielen geschlechtsspezifische Stereotype eine erhebliche Rolle. Gerade im akademischen Umfeld herrscht noch immer das Ideal des allzeit verfügbaren und karriereorientierten Wissenschaftlers, der sich vollständig seiner Forschung hingibt. Alternative Lebensentwürfe von Männern und Familien haben da genauso wenig Platz wie Biografien von Frauen, die oftmals von Unterbrüchen geprägt sind, was zu einem höheren Bewerbungsalter und einer tieferen Publikationsrate führt. Erschwerend hinzu kommt, dass Akademiker meist in traditionelle Netzwerke eingebunden sind, während sich Akademikerinnen nur mit Mühe Zugang zu diesen Strukturen verschaffen können und auf unzählige kleine oder grössere Hürden stossen. Das Problematische an den dabei mitspielenden Stereotypen ist, dass viele von ihnen unbewusst ablaufen.5

Ebenfalls von Stereotypen geprägt ist die Wahl des Studienfachs. Sowohl in der Berufslehre als auch an Hochschulen sind Männer in Sozialberufen rar, während Frauen in technischen Feldern eine Ausnahme darstellen. In Gesundheits-Studiengängen an Fachhochschulen oder in der Tiermedizin an der UZH treffen wir nicht einmal 20% Männer an. Umgekehrt machen Frauen bei den Wirtschaftswissenschaften nur 31,9% der Abgänger_innen aus, in Technik und IT an FHs sind es sogar nur 5,7%1. Ob da der Stereotyp der fürsorglichen Mädchen und der Mathe-begabten Jungs einen Einfluss hat? Und mag es einen Zusammenhang damit geben, dass die vorwiegend von Männern besuchten Fächer zu gut bezahlten Jobs führen, während typische Frauenberufe schlechter entlöhnt werden?

Neue Perspektiven eröffnen

Ist ja alles (nicht) schön und gut, aber… Warum sollte dich das interessieren? Ganz einfach: Weil es uns alle betrifft! Wir können uns nicht darauf verlassen, dass wir das System als Einzelpersonen austricksen können. Und schon gar nicht dürfen wir uns vormachen, es wäre alles in Ordnung oder würde sich bald noch von selbst ergeben. Wie schon durch die hier aufgezeigten Beispiele deutlich wird, spielt das Geschlecht oft eine grosse Rolle, wo es keine spielen sollte. Für strukturelle Veränderungen braucht es auch dein persönliches Engagement!

Was kannst du also tun? Du kannst damit beginnen, den Blick für Ungerechtigkeiten zu schärfen und dich mit deinen Mitmenschen darüber auszutauschen. Ein erster Schritt ist dabei sicherlich der Abbau von Stereotypen. Wir sollten uns fragen, in welchen Fällen unser Denken in den Kategorien des typischen Mannes und der typischen Frau einengend, diskriminierend oder ausgrenzend ist. Dazu müssen alle Menschen in den Blick genommen werden: diejenigen, die sich als Mann identifizieren, diejenigen, die sich als Frau wahrnehmen und diejenigen, die sich keinem dieser beiden Geschlechter zuordnen wollen oder können.

Ich meine, wir brauchen Utopien. Klar, pragmatischerweise beginnen wir mal damit, die Dinge im Kleinen zu verändern und das Potenzial innerhalb der vorgegebenen Rahmenbedingungen auszuschöpfen (wir brauchen tatsächlich mehr Krippenplätze!). Doch kann das alles sein? Du und ich haben es in der Hand, die Diskurse und Praktiken grundlegend zu verändern. Wie wär’s, wenn wir dezidiert Elternurlaub fordern statt bloss Verbesserungen beim Vaterschaftsurlaub? Und statt mehr Teilzeitstellen gleich ein kleineres Vollzeit-Pensum, so dass tatsächlich alle mehr Zeit für Aktivitäten ausserhalb der Lohnarbeit haben – z.B. für familiäres und gesellschaftliches Engagement. Unwahrscheinlich, dass so etwas durchkommt? Ökonomisch unsinnig? Vielleicht, aber – weshalb eigentlich? Wer bestimmt denn, welches ökonomische Modell das richtige ist?

Hast du Lust gekriegt, zu diskutieren und zu experimentieren? An der UZH kannst du z.B. in der Gleichstellungskommission des VSUZH mitmachen oder für den Rat kandidieren. In diesem Sinne: Engagieren wir uns gemeinsam, inner- und ausserhalb der Hochschulen!

Fabienne Jacomet ist in den Gleichstellungskommissionen des VSUZH (GSK) und der UZH (GLK) engagiert und war für das Jahr 2014 im Vorstand des VSS für das Ressort Gleichstellung verantwortlich.

Gemeinsame Aktion zur Stipendieninitiative

Heute hat der VSUZH an einer gemeinsamen Aktion mit dem VSETH und dem SturZ auf die Ungerechtigkeiten des Schweizer Stipendienwesens und auf die Stipendieninitiative aufmerksam gemacht. Die Studierendenverbände waren an der Universität Zürich, der ETH sowie der ZHdK mit einer Standaktion präsent. Weitere Informationen können unserer Medienmitteilung entnommen werden.

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Anmeldung für das neue Rechtsberatungsteam der ReBeKo des VSUZH

Möchtest du in der neuen Rechtsberatung des VSUZH mitmachen und die Studierenden mit deinem Fachwissen unterstützen?

Hier geht es zur Anmeldung.

Die neue Rechtsberatungskommission des VSUZH (ReBeKo) wird den Studierenden der Universität Zürich ab Mitte April 2015 Rechtsberatung in diversen Rechtsgebieten anbieten. Dieses Beratungsangebot wird von Studierenden der RWF in Freiwilligenarbeit ermöglicht. Zur Verstärkung unseres im Aufbau befindlichen Teams suchen wir fähige und engagierte Jurastudentinnen und Jurastudenten, die bereits über eine gewisse Erfahrung im Studium verfügen.

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Engagierte Jura Studentinnen und Studenten gesucht!

Die neue Rechtsberatungskommission des VSUZH wird den Studierenden der Universität Zürich ab Mitte April 2015 unentgeltliche Rechtsberatung in diversen Rechtsgebieten anbieten. Diese Rechtsberatung wird von Studierenden der RWF in Freiwilligenarbeit ermöglicht. Zur Verstärkung unseres im Aufbau befindlichen Teams suchen wir fähige und engagierte Jura Studentinnen und Studenten, die bereits über eine gewisse Erfahrung im Studium verfügen.

Für Interessierte findet am 24. Februar, um 18.15 Uhr, beim VSUZH an der Rämistrasse 62 ein Infoanlass statt. Dort wird es, neben einem Apéro, ausführliche Informationen zur Organisation des Angebots und Schulung der Rechtsberater(innen) geben. Damit es für uns möglich ist, die Anzahl der Teilnehmenden abzuschätzen, bitten wir um eine kurze Anmeldung unter rebeko@vsuzh.ch
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Die Zeit ist reif für ein harmonisiertes Stipendiensystem

Die kantonalen Stipendienwesen unterscheiden sich so massiv, dass die Stipendienvergabe einem Glücksspiel gleicht. Das ist unfair! Deshalb setzt sich der VSUZH für die Stipendieninitiative des VSS ein. Die Stipendieninitiative strebt eine Harmonisierung des Schweizer Stipendienwesens an. Ob und wie viel Stipendien Studierende erhalten, soll nicht länger vom Wohnkanton ihrer Eltern abhängen.

Weitere Informationen können unserer Medienmitteilung entnommen werden.

Falls du dich für die Stipendieninitiative engagieren willst, schicke eine E-Mail an den Vorstand des VSUZH.

Die Stipendieninitiative wird aufrechterhalten.

Am 14. Dezember haben die Delegierten des Verbands der Schweizer Studierendenschaften (VSS) an einer ausserordentlichen Versammlung in Bern einstimmig beschlossen die Stipendieninitiative aufrecht zu erhalten.

Die Sektionen waren sich einig, dass der vom Parlament ausgearbeitete indirekte Gegenvorschlag nicht ausreicht um die Ungerechtigkeiten des heutigen Systems auszugleichen und dass nur die Stipendieninitiative des VSS innert nützlicher Frist für eine angemessene Unterstützung aller Studierenden unabhängig von ihrem Herkunftskanton sorgen kann.

Die Stipendieninitiative strebt eine Harmonisierung des Schweizer Stipendienwesens an und fordert, dass die öffentlichen Ausbildungsbeiträge einen minimalen Lebensstandard garantieren sollen. Es darf nicht länger sein, dass eine Nidwaldner Studentin viel weniger Unterstützung bekommt als ihr Zürcher Kommilitone, nur weil ihre Eltern zufälligerweise in anderen Kantonen leben. Zusätzliche Informationen zur Stipendieninitiative erhältst du entweder hier oder direkt auf der Seite des VSS. Falls du dich für die Stipendieninitiative engagieren willst, kannst du dich an den Vorstand des VSUZH wenden.

Die Medienmitteilung des VSS kann hier nachgelesen werden.

Podiumsdiskussion zur Drittmittelfrage

An der Universität Zürich findet nächsten Dienstag um 18:15 im Raum KOL F-104 eine Podiumsdiskussion zur Hochschulfinanzierung durch Drittmittel statt. Mit dabei ist auch die ehemalige VSUZH-Co-Präsidentin Michelle Jatuff Mathis.

Es diskutieren:

  • Dr. Kathy Riklin (Nationalrätin, Mitglied Universitätsrat Zürich)
  • Prof. Dr. Ernst Fehr (Direktor UBS International Center of Economics in Society)
  • Annette Hug
  • Michelle Jatuff Mathis (ehemalige Co-Präsidentin des VSUZH)

Moderation:

  • Dr. Barbara Bleisch

Senat fordert Drittmitteltransparenz

Der akademische Senat, der sich aus allen Professorinnen und Professoren der UZH sowie einigen Ständevertretungen zusammensetzt, hat einen Antrag des VSUZH zur Offenlegung sämtlicher Drittmittelverträge (wo rechtlich möglich) behandelt.

Die universitäre Forschung und teilweise auch Lehre wird zu grossen Teilen von externen Geldgebern finanziert, wobei die Interessenbindung oft unklar ist (siehe dazu den neusten BiKoBlog).

Wenngleich die Universitätsleitung und einzelne Professoren sich anfänglich gegen den Antrag aussprachen, wurde er vom Senat nach einer kürzeren Debatte nahezu einstimmig angenommen.

Es liegt nun an der Erweiterten Universitätsleitung, die Forderung konkret auszuarbeiten und umzusetzen.

Der VSUZH dankt den Mitgliedern des Senats für diesen mutigen Entscheid im Sinne von Transparenz und Misstrauensabbau.

Weitere Informationen sind der Medienmitteilung zu entnehmen.

Studierendenschaften warnen vor Ecopop

Die Studierendenschaften der Universität Zürich (VSUZH), der ETH Zürich (VSETH), der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (VSZHAW) und der Zürcher Hochschule der Künste (SturZ) möchten nachdrücklich vor einer Annahme der Ecopop-Initiative warnen, über die am 30. November abgestimmt werden wird.

Die von der Ecopop-Initiative geforderte Isolation hätte verheerende Auswirkungen auf die Qualität, Finanzierung und Diversität von Forschung und Lehre – für die UZH und für den gesamten Bildungs- und Innovationsstandpunkt Schweiz.

Weitere Informationen können der Medienmitteilung der vier Zürcher Studierendenschaften entnommen werden.